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EU-Kommission deckt ernste Schutzlücken bei Meta auf

Meta jetzt im Fokus der EU-Kommission steht

Die Europäische Kommission hat vorläufige Ermittlungsergebnisse veröffentlicht, die zeigen: Meta schützt Minderjährige auf seinen Plattformen kaum wirksam. Betroffen sind Facebook und Instagram, zwei der meistgenutzten sozialen Netzwerke weltweit. Was steckt dahinter, welche Konsequenzen drohen, und warum ist das Problem größer als ihr vielleicht denkt?

Warum Meta jetzt im Fokus der EU-Kommission steht

Meta ist das US-amerikanische Technologieunternehmen hinter Facebook, Instagram und WhatsApp. Seit Jahren kämpfen Regulierungsbehörden weltweit darum, den Konzern zu mehr Verantwortung zu zwingen, besonders wenn es um den Schutz von Kindern geht. Nun hat die EU-Kommission vorläufig festgestellt, dass Meta gegen den Digital Services Act (DSA), das zentrale EU-Digitalgesetz, verstößt.

Der Vorwurf ist eindeutig: Obwohl Metas eigene Nutzungsbedingungen ein Mindestalter von 13 Jahren vorschreiben, gelingt es dem Unternehmen nicht, Kinder unter 13 wirksam vom Zugang zu Facebook und Instagram fernzuhalten.

So einfach umgehen Kinder die Alterskontrollen

Stellt euch vor, ein Zehnjähriger möchte ein Instagram-Konto erstellen. Er gibt einfach ein falsches Geburtsdatum ein, tippt sich auf 14 Jahre alt, und ist drin. Keine weitere Überprüfung, kein Rückfragen, kein Hindernis. Genau das ist laut EU-Kommission heute Realität auf den Meta-Plattformen.

Das Meldesystem für Nutzer unter 13 Jahren ist darüber hinaus schwerfällig und ineffektiv. Bis zu sieben Klicks sind nötig, um überhaupt ein Meldeformular zu erreichen, das dann auch noch manuell ausgefüllt werden muss. Selbst nach einer Meldung werden betroffene Accounts häufig nicht gesperrt. Laut EU-Kommission nutzen rund 10 bis 12 Prozent der Kinder unter 13 in der EU Instagram oder Facebook, ein klarer Beleg dafür, dass die bestehenden Maßnahmen versagen.

Außerdem untersucht die Kommission parallel, ob das Design der Plattformen gezielt Schwächen von Minderjährigen ausnutzt, etwa durch sogenannte „Rabbit-Hole“-Effekte, die Nutzer immer tiefer in problematische Inhalte ziehen und süchtig machendes Verhalten fördern.

Milliardenschwere Strafe und ein globales Problem

Bestätigen sich die vorläufigen Erkenntnisse, könnte Meta eine Strafe von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen. Bei Metas aktuellem Umsatz wären das mehrere Milliarden Euro. Das Unternehmen hat bereits in der Vergangenheit milliardenschwere Strafen kassiert, unter anderem wegen Datenschutzverstößen und weiteren Verstößen gegen den DSA.

Das Scheitern von Altersbeschränkungen ist dabei kein rein europäisches Problem. Australien hat eines der strengsten Gesetze weltweit eingeführt und Kinder unter 16 Jahren de jure von sozialen Netzwerken ausgeschlossen. Doch laut dem australischen eSafety Commissioner besitzen noch immer rund 63,6 Prozent der betroffenen Kinder einen aktiven Facebook-Account, auf Instagram sind es 69,1 Prozent, auf Snapchat 69,4 Prozent und auf TikTok 69,3 Prozent. Digital-affine Kinder sind technisch oft einen Schritt voraus, und verlässliche, flächendeckend funktionierende Altersverifikationssysteme gibt es bislang nicht.

Was die Kommission jetzt von Meta verlangt

Die EU-Kommission macht klare Vorgaben. Meta muss seine Risikoanalyse grundlegend überarbeiten und Prävention, Erkennung sowie Entfernung von Nutzern unter 13 Jahren deutlich verbessern. Als Orientierung dient eine neu entwickelte europäische Altersverifikations-App, die per Personalausweis oder Reisepass das Alter prüft und künftig in die digitale EU-Brieftasche integriert werden soll. Eine erste Open-Source-Version ist bereits öffentlich verfügbar.

Gleichzeitig machen mehrere EU-Mitgliedsstaaten Druck auf eigene Faust. Frankreich, Spanien, Dänemark und Österreich arbeiten an nationalen Altersgrenzen für Plattformen wie Instagram, YouTube und TikTok.

Politisch brisant bleibt: Meta nähert sich zunehmend der US-Regierung unter Donald Trump an, die signalisiert hat, amerikanische Unternehmen gegen EU-Regulierungen zu verteidigen. Ob das auch hier Wirkung zeigt, bleibt offen. Die EU-Kommission jedenfalls macht deutlich, dass sie bereit ist, auch gegen Technologieriesen wie Meta konsequent durchzugreifen.

Blogger in Charge bei Futurebiz, Speaker, Autor und Senior Digital & Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. Jan Firsching berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien. Zu Futurebiz ConsultingBlogger in charge at Futurebiz. Speaker, author and senior digital & social media consultant at the BRANDPUNKT agency. Jan Firsching advises brands and companies on the development and implementation of digital and social media strategies.

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